Für den Mord an seinen vier Kindern ist ein Vater aus Niedersachsen zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung des Angeklagten verzichtete das Landgericht Hildesheim auf die Verhängung einer lebenslangen Haftstrafe und ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.
Der 37-Jährige hatte gestanden, seine drei schlafenden Söhne sowie seine zwölfjährige Tochter im Sommer in ihren Betten mit einem Teppichmesser getötet zu haben. Danach versuchte er, sich selbst umzubringen. Er überlebte knapp.
Der Mann aus Ilsede nahm das Urteil mit gesenktem Kopf entgegen.
Hintergrund der Tat war, dass seine Ehefrau sich kurz zuvor von ihm getrennt hatte. Zum Tatzeitpunkt war sie in Dänemark - vom Tod ihrer Kinder erfuhr sie aus einer SMS des Vaters.
Vor fünf Monaten wurden die Bürger des beschaulichen Ilsede in Niedersachsen von einem unfassbaren Verbrechen erschüttert. Ein Vater hatte seine vier Kinder mit einem Cuttermesser brutal getötet. Die wesentlichen Ereignisse nach der Tat in der Zusammenfassung:
14. Juni 2012: Ein 36-Jähriger tötet seine vier Kinder mit einem Cuttermesser in ihren Schlafzimmern. Zuvor hatte ihm seine Frau aus dem Urlaub in Dänemark mitgeteilt, dass sie die Beziehung endgültig beenden wolle. Sanitäter retten den Mann, der sich selbst schwere Verletzungen zugefügt hat. Er wird in ein künstliches Koma versetzt.
15. Juni 2012: Vor dem Haus der Familie versammeln sich zahlreiche Nachbarn und Schulkameraden der getöteten Kinder. An den Ilseder Schulen fällt der Unterricht aus. In der evangelischen St. Nikolai-Kirche gibt es eine spontane Gedenkandacht.
16. Juni 2012: Gerichtsmediziner bestätigen die Schnittverletzungen als Todesursache der Kinder.
21. Juni 2012: Der Täter erwacht aus dem Koma. Die Polizei informiert ihn über den gegen ihn erlassenen Haftbefehl.
23. Juni 2012: Bei einer Trauerfeier nehmen rund 550 Menschen Abschied von den getöteten Geschwistern.
6. Juli 2012: Ermittler gehen von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit des Vaters aus. Der Haftbefehl wird deshalb in einen sogenannten Unterbringungsbefehl für die Psychiatrie umgewandelt.
21. Juli 2012: In einer sechsstündigen Vernehmung legt der Angeklagte ein Geständnis ab. Nach Angaben des Staatsanwalts hat er selbst auf seine Aussage gedrängt.
10. Oktober 2012: Der Prozess vor dem Hildesheimer Landgericht beginnt mit einem kurzen Geständnis des Angeklagten. Er bedauere seine Taten zutiefst. Zu Details wolle er sich jedoch nicht äußern.
31. Oktober 2012: Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von 15 Jahren für den Angeklagten. Sowohl der Anwalt der Nebenklage als auch die Verteidigung beantragen die Unterbringung in der Psychiatrie.
8. November: Das Landgericht Hildesheim verurteilt den Mann wegen Tötung seiner vier Kinder zu einer 15-jährigen Freiheitsstrafe. Er soll die Zeit in der Psychiatrie absitzen. (dapd)
Nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters war die Tat des Mannes nicht in erster Linie ein Racheakt, um die Ehefrau für die Trennung zu bestrafen, sondern vor allem vom Wunsch geprägt, mit den Kindern im Tod auf ewig vereint zu sein. Der Gutachter stufte den 37-Jährigen wegen seiner Persönlichkeitsstruktur, einer Depression und einer extremen Suizidgefährdung als gefährlich ein.
Zeugen: Er war vorbildlicher Vater
Zeugen hatten den Verurteilten im Prozess zuvor als vorbildlichen Vater beschrieben, der viel mit seinen Kindern unternahm und nie die Geduld verlor. Die Kinder seien sein Ein und Alles gewesen. Der Mann selbst hatte zum Auftakt der Verhandlung betont, es tue ihm sehr leid, was er getan habe.
Die Mutter der getöteten Kinder war Nebenklägerin in dem Prozess. Sie war bei der Urteilsverkündung aber abwesend. Die Tat hatte in dem kleinen Ort im Kreis Peine viel Anteilnahme hervorgerufen. Hunderte Menschen nahmen bei einer Trauerfeier Abschied von den Kindern. Für die Mutter wurden Spenden gesammelt. Sie wohnt inzwischen wieder in dem Reihenhaus, in dem die Bluttat geschah. (dpa)
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