Samstag, 2. Februar 2013

Drei Kinder soll sie getötet haben - Derwesten.de

01.02.2013 | 20:59 Uhr

Dortmund.   Der Fall hat Dortmund erschüttert: Milka D. wird beschuldigt, die drei Kinder ihres Lebensgefährten getötet zu haben. Diese wurden erstochen. „Mit großem Kraftaufwand", wie die Staatsanwältin in der Anklage schreibt. Die aus Bulgarien stammende Frau schweigt - Tatzeugen gibt es nicht.

Bis vor sechs Monaten war es wohl Liebe. Vor allem bei ihr. Doch als sich Milka D. und Muharrem T. am Freitag nach einem halben Jahr wiedersehen im großen Schwurgerichtssaal des Dortmunder Landgerichtes, da würdigt sie ihn keines Blickes, während er nicht aufhören kann, zu ihr zu sehen. Traurig, verzweifelt, aber auch voller Wut. Weil sie, sagt jedenfalls die Anklage, seine drei Kinder ermordet hat. Aber das zu beweisen wird nicht ganz einfach werden.

Mehr Wachtmeister als üblich, strenge Sicherheitskontrollen bei den Besuchern und Beamte mit Schutzweste im Saal. „Aufwändig" wird der Vorsitzende Richter Wolfgang Meier das alles später nennen, aber auch unvermeidlich, „um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten". Denn „dieser Fall ist emotional", sagt Matthias Brandt, Sprecher des Dortmunder Landgerichts. Begonnen aber hat er mit einem Feuerwehreinsatz, der zunächst nach Routine aussieht.

Mit mehreren Messern und großem Kraftaufwand erstochen

Früh am Morgen ist es noch in der Dortmunder Nordstadt an diesem 3. August 2012, da melden Bewohner der Fichtestraße Rauch aus Haus Nummer 18. Schnell sind die Rettungskräfte vor Ort, doch für Mustafa (4) und Zilan (12) kommt jede Hilfe zu spät. Tot liegen sie in ihrem Zimmer. Und auch ihr Bruder Mehmet (10) erliegt wenig später seinen schweren Verletzungen. Doch kein Rauch hat sie erstickt, keine Flamme sie verbrannt. Alle drei wurden erstochen. „Mit mehreren Messern" und „großen Kraftaufwand", wie Staatsanwältin Barbara Cuntze in der Anklage schreibt.

„Wie viel Leid muss unsere Familie noch ertragen?", fragt sich Murat Yigit. Erst kommt die Mutter seiner Großnichte und seiner beiden Großneffen bei einem tragischen Unfall in Werdohl ums Leben. Dann werden ihre Kinder am vergangene Freitag auf grausame Weise in Dortmunds Nordstadt ermordet.

Eine Verdächtige ist schnell gefunden. Milka D., damals seit gut acht Monaten mit dem Vater der Kinder zusammen. Im Morgengrauen, so erzählt man sich später, sei sie mit blutenden Wunden an Händen und Armen in eine Gaststätte gestürmt, in der ihr Freund gerade einen Tee mit einem Verwandten trinkt. Ein Junkie habe sie überfallen und mit dem Messer verletzt, behauptet sie aufgeregt. Doch Muharrem T. glaubt ihr ebenso wenig wie die Polizei. Die nimmt die Bulgarin am gleichen Tag fest. Im Vielvölkerviertel des Dortmunder Nordens überrascht das kaum einen. „Die wollte die Kinder weghaben", behaupten damals viele. „D. wollte mit ihrem Freund eine eigene Familie gründen", ist auch die Staatsanwaltschaft überzeugt. Deshalb habe sie die Kinder in einem günstigen Augenblick beseitigt. Und dann die Wohnung in Brand gesetzt, um alle Spuren zu vernichten. Doch das Feuer breitet sich nur langsam aus. Ein glücklicher Zufall, der sieben ahnungslosen Menschen in den anderen Wohnungen des Hauses wohl das Leben rettet.

Die Zuschauer haben das Urteil bereits gefällt

Milka D. versteht, was man ihr vorwirft. Die 29-Jährige scheint nicht dumm. Geboren im bulgarischen Plovdiv, ist sie 2006 nach Deutschland gekommen, hat mehrere Deutschkurse besucht und hier an der Universität studiert.

Aber sie schweigt bisher. Zum Prozessbeginn verbirgt sie die langen dunklen Haare unter der Kapuze ihres Sweaters und hält sich zum Schutz vor Kamerateams und Fotografen eine rote Gerichtsakte vor das Gesicht. „Sie wird sich auch an den nächsten Verhandlungstagen nicht äußern", stellt ihr Verteidiger Matthias Meier klar. „Das wird ein Indizienprozess", hat er bereits angekündigt und mehrfach betont: „Es gibt ja keine direkten Tatzeugen."

Für manchen Zuhörer im Saal ist die Sache trotzdem klar. „Eiskalte Mörderin" nennt eine ältere Dame in der letzten Reihe die Angeklagte, als der Richter den ersten Verhandlungstag nach nicht einmal 20 Minuten beendet. Juristisch begründen kann sie das zwar nicht, ist aber überzeugt: „Wer nichts getan hat, verbirgt nicht sein Gesicht."

Andreas Böhme

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