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07. September 2013 00:00 Uhr
Ermittlungspanne
Eine Zeugin des NSU-Mordes an Ismail Yasar will bereits 2006 die mutmalichen Tter auf Videoaufnahmen vom Bombenanschlag in Kln wiedererkannt haben. Das berichtete die Nrnbergerin im NSU-Prozess.
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Bhnhardt, Mundlos (v.l.): Die Zeugin erinnert sich an zwei dnne, hellhutige Mnner mit abstehenden Ohren. Foto: dpa
Zwei Mnner, von hinten und von vorne aufgenommen. Ein Fahrrad schiebend, mit einer schweren Last auf dem Gepcktrger. Immer wieder schauen sie sich um. Diese Videosequenzen wurden am 9. Juni 2004 in der Klner Keupstrae aufgezeichnet, wo es wenig spter zu dem Nagelbombenanschlag kam, bei dem 22 Menschen teils schwer verletzt wurden. Sind die Mnner auf dem Video Uwe Mundlos und Uwe Bhnhardt?
Das Mnchner Gericht zeigt die Mitschnitte am Donnerstag unkommentiert, "weil g'rad Zeit ist", wie der Richter Manfred Gtzl trocken einleitet. Ohne die Gtzlsche Generalkenntnis der umfangreichen Akten versteht man also nicht direkt, warum das Gericht sich nicht weiter zu seiner Vorgehensweise uert. Allerdings ist der Richter Gtzl einmal hnlich verfahren, als er das Bekennervideo des NSU (mit der Paulchen-Panther-Melodie) einspielen lie. Hernach waren die Sinne aller Beteiligten wieder geschrft.
Man hat also diese Momente noch im Gedchtnis, als am Freitagmorgen die Nrnberger Bckereiverkuferin Beate K., 47 Jahre alt, im Zusammenhang mit dem Mord an Ismail Yazar am 9. Juni 2005 aussagt. Richter Gtzl beginnt immer gleich. "Welche Beobachtungen haben Sie gemacht", fragt er. Er lsst lang und breit erzhlen, und wenn er nachhakt, kommt es einem fast nicht so vor. Doch Gtzl wei, was und wohin er will und reguliert den Erzhlfluss hchstens, nie lenkt er ihn um.
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Beate K. war mit dem Rad unterwegs, als sie an besagtem Morgen in der Nhe des spteren Tatorts in Nrnberg zwei Mnner mit einer Straenkarte hantieren sieht. "Meine berlegung war, die kennen sich nicht aus." Etwas spter sieht sie die Mnner wieder vor dem Dner-Imbiss von Yazar, und wie der eine Mann dem anderen "einen Gegenstand in einer Plastiktte in den Rucksack steckt".
Als sie wenig spter von dem Mord an Yazar erfhrt, geht sie zu einem Polizisten auf der Strae und teilt ihm mit, sie habe "da was gesehen". Sie beschreibt dem Beamten die Mnner als "Spargeltarzane", einer mit Kppi, "von der Hautfarbe hell, nicht sdlndisch, dunkel gekleidet". Einer habe "ein abstehendes Ohr" gehabt. Beate K., die danach noch etliche Male von der Polizei befragt werden wird, sagt jetzt vor Gericht, sie habe die Mnner spter auf den Bildern aus Kln wieder erkannt. Unter anderem an den Ohren. Richter Gtzl knnte jetzt fragen, wann sie das Video aus der Keupstrae zuerst gesehen hat. Aber er fragt nicht nach, sondern konfrontiert die Zeugin mit einer zunchst entlegen anmutenden Beobachtung zu den Akten von damals. Es geht um den genauen Standort der Fahrrder. Dann macht Gtzl eine Pause. Nach der Pause liegt ein Bild vom Dner-Verkaufsort vor. Beate K. kann den Standort der Rder genau markieren, auch nach sieben Jahren. Fast nebenbei wird erwhnt, wann Frau K. das Klner Video zuerst zu sehen bekommt. Das ist am 23. Mai 2006 gewesen: Sie lsst sich die Kpfe heranzoomen und ist sich "vom Bauchgefhl her" sicher, "ganz sicher". Die Beamten relativieren das im Protokoll, da steht "ziemlich sicher". Im Oktober 2006 wird die Frau noch einmal mit den Bildern konfrontiert. Nun kann sie dies alles laut Protokoll "nicht mehr mit Sicherheit sagen". Am Freitag besttigt sie ihr Schwanken von vor fast sieben Jahren.
Die Polizei hat Frau K. 2006 gesagt, dass es in Kln einen Nagelbombenanschlag gegeben habe, und dass die Videoaufnahmen womglich in einem Zusammenhang stnden mit dem Mord in Nrnberg. Trotz der Aussage von Beate K. zu den dnnen Radlern knnen die Ermittler in Kln und in Nrnberg sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und glauben weiterhin an zwei Einzelflle. Die Spur der Radler wird nicht weiter verfolgt. Stattdessen legt man Beate K., die die Radler als "nordische Typen" beschrieben hat, Fotos von Brgern trkischer Herkunft vor: Es gebe ja die "trkische Mafia", wird sie beschieden.
Nher dran als 2006 war die Polizei offenbar niemals an Uwe Mundlos und Uwe Bhnhardt.
Autor: Mirko Weber
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