Samstag, 3. November 2012

Rentnter mit Armbrust und Messer brutal getötet - DIE WELT

Dieser Traum vom Aussteigerleben wurde zum Alptraum: Ein 23-jähriger, fahnenflüchtiger Zeitsoldat und seine gleichaltrige Freundin brauchten Geld für ihre Reisepläne. Und schreckten dafür laut Anklage auch vor Mord nicht zurück.

Im oberpfälzischen Weiden schoss der Mann im Januar einen 66 Jahre alten Rentner mit einer Armbrust in den Rücken und tötete ihn dann mit 19 Messerstichen. Seit Freitag muss sich der Angeklagte wegen Mordes und versuchten Raubes vor dem Landgericht Weiden verantworten.

Zum Prozessauftakt schwiegen die beiden Angeklagten zu den Vorwürfen. Ganz in schwarz gekleidet folgten sie nahezu regungslos dem Verfahren.

In den polizeilichen Vernehmungen hatte der Mann die Bluttat zugegeben, aber eine Tötungsabsicht verneint: Nach dem Schuss mit der Armbrust habe sich das Opfer auf ihn gestürzt und ihn zu Boden geworfen. Als der Rentner sich auf ihn gekniet habe, habe er wahllos zugestochen.

Staatsanwalt glaubt nicht an Notwehr

Diese Notwehr-Version glaubt die Staatsanwaltschaft jedoch nicht. Laut Gerichtsmedizin hatte der Täter seinem Opfer nach dem Schuss mit der Armbrust zahlreiche Messerstiche in den Rücken und Nacken versetzt. Viermal stach der Angreifer auch in den Schädel des Rentners – dabei brach sogar die Klinge ab.

Auch die mitangeklagte Freundin hatte den jungen Mann bei der Polizei schwer belastet. Sie hätten an einem unbeleuchteten Radweg auf ein Opfer gewartet, um es auszurauben. Als der Rentner vorbeiging, sei ihre Freund mit den Worten ausgestiegen: "Den bring ich jetzt um!" Erst im Gefängnis hätten sie sich dann die Geschichte mit der Notwehr ausgedacht.

Die Frau ist wegen Urkundenfälschung, Betruges und versuchten Raubes mit Todesfolge angeklagt, nicht wegen Mordes. Sie hatte den Tatort abgesichert und zuvor mit einem gefälschten Überweisungsauftrag 3000 Euro auf ihr Konto geholt.

Flucht nach Spanien

Kurz vor dem tödlichen Überfall auf den Rentner hatte der 23-Jährige mit der Armbrust Schießübungen in einem Wald gemacht. Dabei hatte er auch einen freilaufenden Hund angeschossen.

Nach der Bluttat war das Paar laut Ermittlungen zunächst mit einem Auto nach Berlin geflüchtet und hatte sich anschließend ins Ausland abgesetzt. Auf dem Flughafen der Kanareninsel Fuerteventura wurden sie schließlich festgenommen.

Der Prozess wird am 21. November fortgesetzt. Mit einem Urteil wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Foto: Polizeipräsidum Oberpfalz Mit diesem Bild fahndete die Polizei in Weiden nach dem Wagen des Pärchens. Sie wurden schließlich in Spanien festgenommen

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