Der Präsident der Universität in Bayreuth, Rüdiger Bormann, ist tot. Der 60-Jährige wurde am Sonntagabend beim Joggen in Köln von einer Straßenbahn erfasst und tödlich verletzt, wie die Hochschule am Montag bestätigte.
Der Physiker war den Angaben zufolge privat zu Besuch in Köln. "Wir sind sehr traurig über den Verlust. Er wird in unserem Team, das durch großes gegenseitiges Vertrauen geprägt ist, sehr fehlen", erklärte der Kanzler der Universität, Markus Zanner.
Bormann war nach Angaben der Kölner Polizei am Sonntagnachmittag gegen 15.00 Uhr in Begleitung einer 47-jährigen Frau entlang der Rheinpromenade in Köln beim Joggen, als er offensichtlich bei Rotlicht die Schienen der Bahn überquerte, die dort in zwei Richtungen fährt.
Er wurde ersten Ermittlungen zufolge aus einem Richtung Innenstadt kommenden Zug erfasst und zur Seite geschleudert. Dabei wurde er so stark verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb. Seine Begleiterin, der Fahrer der Bahn und zwei Fahrgäste erlitten einen Schock.
Bekannt durch Guttenbergs Plagiatsaffäre
Bormann hatte sich 2011 bundesweit einen Namen gemacht, als die Uni dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wegen vorsätzlichen Täuschens in seiner Doktorarbeit den Doktortitel entzog.
Der gebürtige Bremer und studierte Physiker war seit 1. April 2009 Präsident der Uni Bayreuth. Er habe sich für eine strategische Allianz mit anderen Hochschulen eingesetzt, lobte die Universität.
Der Umgang der Universität mit der Plagiatsaffäre war jedoch nicht unumstritten. So sprach sie Guttenberg die alleinige Verantwortung zu. Kritiker bemängelten, die Universität habe sich nicht ausreichend mit ihrer eigenen Rolle beschäftigt.
Die Universität selbst bescheinigte Bormann, in der Causa Guttenberg durch "sachorientiertes und auf Transparenz bedachtes Management" überzeugt zu haben. Sein Vorgehen habe zu einer bundesweiten Diskussion über gute wissenschaftliche Praxis und Redlichkeit geführt sowie zu einer von ihm in die Wege geleiteten Reform der Doktorandenausbildung mit besonderem Fokus auf die Qualitätssicherung.
Promovierter Metallphysiker
Bormann wurde 1952 in Bremen geboren und studierte an der Universität Göttingen, wo er 1979 auf dem Gebiet der Metallphysik promovierte. Nach Aufenthalten an der Stanford University und der Uni Göttingen leitete er bis 2009 an der Technischen Hochschule Hamburg-Harburg als Professor das Institut für Werkstoffphysik und -technologie.
Im Juli 2008 wurde Bormann zum Präsidenten der Uni Bayreuth gewählt. Das Amt trat er 2009 an.
Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) erklärte, mit Bormann verliere nicht nur die Universität Bayreuth, sondern ganz Bayern "einen dynamischen und hoch geschätzten Universitätspräsidenten". Dieser habe viel für die Weiterentwicklung der Universität und den oberfränkischen Hochschulraum geleistet. Über den plötzlichen Unfalltod Bormanns sei er tief erschüttert.
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